Praktikum in der Schweiz: Lohn, Ferien und Rechte 2026

Die kurze Antwort
Ein Praktikum in der Schweiz ist rechtlich fast immer ein befristeter Arbeitsvertrag. Einen allgemeinen Mindestlohn für Praktika gibt es nicht. Wer aber vor allem für den Betrieb arbeitet, hat Anspruch auf den üblichen Lohn. Und in fünf Kantonen und der Stadt Luzern gilt ein Mindestlohn, von dem nur Praktika ausgenommen sind, die wirklich ausbilden.
Ob dein Praktikum dazugehört, entscheidet meist eine einzige Frage: Machst du es während der Ausbildung, weil die Schule es verlangt, oder nach dem Abschluss? Für Pflichtpraktika lassen die Mindestlohngesetze viel Spielraum. Ein Praktikum nach dem Studium fällt in Genf und im Jura unter den Mindestlohn. In Neuenburg, im Tessin, in Basel-Stadt und in Luzern ist es nur ausgenommen, wenn es wirklich ausbildet und eine Frist einhält: sechs Monate in Neuenburg, Basel und Luzern, das erste Jahr nach dem Abschluss im Tessin. Wir zeigen die Regeln Ort für Ort, was Praktika tatsächlich zahlen und welche Rechte du bei Ferien, Krankheit, Kündigung und Versicherung hast.
Ist ein Praktikum ein Arbeitsvertrag?
In aller Regel ja. Das Obligationenrecht kennt kein eigenes Praktikumsrecht. Ein Arbeitsvertrag liegt vor, wenn du Arbeit im Dienst eines Betriebs leistest und dafür Lohn bekommst (OR Art. 319). Er gilt sogar dann als abgeschlossen, wenn nie über Lohn gesprochen wurde: Nimmt ein Betrieb Arbeit an, die man nach den Umständen nur gegen Lohn erwarten kann, schuldet er Lohn (Art. 320 Abs. 2). Wie viel, regelt Art. 322: was vereinbart oder üblich ist oder was ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) festlegt. Ein GAV ist ein Vertrag zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, der Löhne und Arbeitszeiten für eine ganze Branche regelt.
Wo die Grenze liegt, hat das Bundesgericht 2023 an einem echten Fall gezeigt. Eine Buchhalterin mit Ausbildung aus Rumänien arbeitete gut 14 Monate in Teilzeit ohne Lohn in einem Treuhandbüro in der Waadt, als «Stage». Nach dem Ende verlangte sie rund 44’560 Franken Lohn, gerechnet mit 40 Franken pro Stunde. Die Buchhalterin verlor in allen Instanzen (Urteil 4A_150/2023). Die Regel, die das Gericht dabei anwandte: Ein Praktikum fällt nur dann aus dem Arbeitsrecht, wenn es überwiegend im Interesse der Praktikantin liegt, also dazu dient, praktische Erfahrung zu sammeln. Hat der Betrieb ein objektives Interesse an ihrer Arbeit, ist es ein Arbeitsvertrag mit Anspruch auf Lohn.
Den Ausschlag gaben Details. Die Frau hatte kaum Praxis in der Schweizer Buchhaltung, ein Kollege sagte aus, ihre Arbeit sei nicht anspruchsvoller gewesen als die anderer Praktikanten, und sie hatte erst nach dem Ende Lohn verlangt. Ein unbezahltes Praktikum ist also nicht automatisch unzulässig. Je mehr du aber wie eine normale Arbeitskraft eingesetzt wirst, desto stärker ist dein Anspruch. Halte fest, was du tust, und sprich den Lohn früh an. Wie oft Praktika überhaupt unbezahlt sind, hängt stark davon ab, wann du sie machst.
Während oder nach der Ausbildung: der Unterschied, der zählt
Unbezahlte Praktika sind meist kurz und von der Schule verlangt. Das zeigt die Erhebung des Bundesamts für Statistik (BFS) zur Lage der Studierenden. 38 Prozent der Studierenden hatten 2020 seit Studienbeginn mindestens ein Praktikum gemacht, an den pädagogischen Hochschulen sogar 83 Prozent (BFS, Themenbericht Praktika). Die häufigste Form war ein Pflichtpraktikum von höchstens einem Monat ohne Lohn.

Je länger ein Praktikum dauert, desto eher wird es bezahlt. Von den Praktika bis zu einem Monat war nach unserer Rechnung aus den BFS-Zahlen nur ein Viertel bezahlt, von jenen über sechs Monate fast neun von zehn. Mehr als ein halbes Jahr ohne Lohn ist also die seltene Ausnahme, und genau dort stellt sich die Frage aus dem Bundesgerichtsfall.
Nach dem Abschluss sieht es anders aus. 23 Prozent der Hochschulabsolventinnen und -absolventen der Jahrgänge 2016 und 2018 machten innerhalb von fünf Jahren ein Praktikum, bei den Master der Universitäten 36 Prozent, in den Rechtswissenschaften 80 Prozent (BFS, Praktika nach dem Studium). Unbezahlt war das selten: 4 Prozent aller Absolventinnen und Absolventen machten nach dem Studium mindestens ein unbezahltes Praktikum. Ein Befund gehört in jede Entscheidung: Wer nach dem Studium ein Praktikum machte, war fünf Jahre später tendenziell schlechter gestellt, vor allem beim Einkommen, bei der Passung zum Fach und bei Kaderfunktionen. Ursache und Wirkung lassen sich daraus laut BFS nicht ablesen.
Diese Trennlinie zwischen Praktikum während und nach der Ausbildung ist auch die, an der die Mindestlöhne ansetzen.
Gilt der Mindestlohn für Praktikanten?
Nur in fünf Kantonen und der Stadt Luzern gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn, und alle nehmen Praktika teilweise aus. Wie weit, ist sehr verschieden. Die Übersicht zeigt die Regeln für die zwei häufigsten Fälle.

Der Gedanke dahinter ist überall derselbe: Ein Praktikum, das vor allem ausbildet, darf weniger kosten, ein Arbeitsverhältnis, das nur «Praktikum» heisst, nicht. Basel-Stadt und die Stadt Luzern schreiben das ausdrücklich.
Genf: streng, und das Bundesgericht zieht mit
Genf hat mit 24.59 Franken pro Stunde den höchsten Mindestlohn, bei 40 Stunden pro Woche sind das 4’262.27 Franken im Monat (ge.ch). Ausgenommen sind nur Praktikumsverträge, die Teil einer schulischen oder beruflichen Ausbildung nach Gesetz sind (LIRT Art. 39J). Ein Praktikum nach dem Master gehört nicht dazu.
Wie ernst das gemeint ist, zeigt ein Urteil vom März 2025. Ein Unternehmen, das medizinische Institute betreibt, beschäftigte in Genf Leute mit Verträgen als «stage formation» oder als Temporäre. Das kantonale Arbeitsinspektorat stellte fest, dass zwischen November 2020 und November 2022 bei 23 von 67 Angestellten der Mindestlohn nicht erreicht war, mit Lohnlücken von zusammen rund 471’700 Franken. Das Unternehmen konnte nicht belegen, dass die als Praktikanten bezeichneten Personen ihr Praktikum im Rahmen einer Ausbildung machten. Das Bundesgericht bestätigte die Busse von 25’000 Franken (Urteil 2C_431/2024). Nötig ist laut Gericht in jedem Fall ein Praktikumsvertrag zu dritt mit der Ausbildungsstätte, und das Praktikum muss Teil der Ausbildung sein, ob vorgeschrieben oder freiwillig.
Neuenburg: ein halbes Jahr nach dem Abschluss
Neuenburg (21.35 Franken pro Stunde) regelt Praktika nach dem Abschluss ausdrücklich, ähnlich wie das Tessin. Ein «stage de fin d’études» kann vom Mindestlohn ausgenommen sein, wenn er im Jahr nach dem Ende einer Vollzeitausbildung stattfindet und höchstens sechs Monate dauert (RSalMin, Anhang). Dazu muss das Praktikum sechs von sieben Bedingungen erfüllen: schriftliche Lernziele vor dem Start, eine feste Betreuungsperson, geplante Standortgespräche, am Ende ein Zeugnis über das Gelernte, keine repetitive Arbeit, Überstunden nur gegen Freizeit und nicht mehr Praktikanten, als der Betrieb sinnvoll betreuen kann. Fehlt mehr als eine davon, zählt es nicht als Praktikum im Sinn der Ausnahme.
Basel-Stadt und Stadt Luzern: sechs Monate
Basel-Stadt (22.20 Franken) und die Stadt Luzern (22.75 Franken) ziehen die Grenze bei sechs Monaten. Ein Praktikum mit Ausbildungscharakter bis zu dieser Dauer ist ausgenommen (Basler FAQ). Länger, bis höchstens zwölf Monate, geht es nur mit einem Nachweis für den nächsten Schritt. In Basel ist das ein unterschriebener Lehrvertrag oder eine Zulassung an eine Hochschule oder eine höhere Berufsbildung, und der Nachweis muss vor dem siebten Monat vorliegen. In Luzern genügt auch das Angebot einer unbefristeten Stelle zum Mindestlohn im Anschluss (Reglement, Art. 2). Pflichtpraktika mit vorgegebenem Lehrplan sind in beiden Fällen bis zu ihrem Ende ausgenommen, auch wenn sie länger dauern. Basel nennt als Beispiel das juristische Volontariat für das Anwaltspatent.
Jura: nur während der Ausbildung
Im Jura (21.40 Franken) ist ein Praktikum nur in fünf Fällen ausgenommen (jura.ch). Die Verordnung von 2022 zählt sie auf: Schnupperpraktika vor einer Ausbildung (höchstens zwei Wochen), vorgeschriebene Vorpraktika, Pflichtpraktika während der Ausbildung, Praktika in einem anerkannten Austauschprogramm (höchstens sechs Monate) und Praktika zur Wiedereingliederung. Ein Praktikum nach dem Abschluss ist nicht dabei. Die Verordnung sagt sogar ausdrücklich, dass die erste Stelle einer Person, die für diese Stelle ausgebildet ist, kein Praktikum ist.
Tessin: ein Jahr nach dem Abschluss, mit zehn Kriterien
Das Tessin (20.00 bis 20.50 Franken je nach Branche) nimmt Personen im Praktikum und in Ausbildung aus, sofern die Ausbildung zu einem anerkannten Abschluss führt (Gesetz, Art. 3). Was als Praktikum zählt, legt der Anhang des Reglements fest. Es braucht einen Grund, etwa einen Vertrag zu dritt mit der Schule, eine Vorgabe der Schule, einen Wiedereinstieg in den Beruf oder ein Praktikum im Jahr nach dem Abschluss («stage di fine studio»). Dazu muss das Praktikum acht von zehn Bedingungen erfüllen, darunter schriftliche Lernziele vor dem Start, eine Betreuungsperson, ein Zeugnis am Ende und keine repetitive Arbeit. Zwei der zehn Punkte kennt Neuenburg nicht: Deine Arbeit soll dem Betrieb keinen Gewinn bringen, und beim Start ist dir keine Festanstellung zugesichert. Ein Praktikum nach dem Studium kann im Tessin also im ersten Jahr ausgenommen sein, aber nur, wenn es wirklich ausbildet. Frag im Zweifel beim Kanton nach, bevor du unterschreibst.
Zürich und Winterthur: beschlossen, noch nicht in Kraft
In den Städten Zürich und Winterthur haben die Stimmberechtigten einen Mindestlohn angenommen, 23.90 und 23 Franken pro Stunde. Das Bundesgericht hat beide am 12. Mai 2026 bestätigt, ein Startdatum fehlt aber noch (Stadt Zürich, Winterthur). Beide Städte wollen Praktika mit Ausbildungscharakter für höchstens zwölf Monate ausnehmen. Zürich nimmt zusätzlich Angestellte unter 25 aus, die nicht mindestens ein eidgenössisches Berufsattest (EBA) haben. Bis es so weit ist, und in allen übrigen Kantonen, zählen dein Vertrag und ein allfälliger GAV.
Wenn ein GAV gilt: das Beispiel Gastgewerbe
Ein GAV kann Praktika eigene Regeln geben, unabhängig vom Kanton. Das deutlichste Beispiel ist der Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes (L-GAV) für Hotels, Restaurants und Bars in der ganzen Schweiz. Er kennt einen eigenen Mindestlohn für Praktikantinnen und Praktikanten: 2’390 Franken brutto im Monat im Jahr 2026 und 2’404 Franken ab 2027 (L-GAV Art. 11). Er gilt aber nur für Studierende, die das Praktikum als Teil ihrer Ausbildung machen, an einer anerkannten Hotelfachschule, einer Fachhochschule oder einer ausländischen Schule mit gültiger Kooperationsvereinbarung. Abzüge vom Lohn zugunsten der Schule sind verboten.
Alle anderen Praktikanten stuft der L-GAV wie normale Angestellte ein. Wer nach der Matura oder nach dem Studium als «Praktikant» an der Rezeption steht, hat damit bei Vollzeit Anspruch auf mindestens 3’713 Franken im Monat, den Mindestlohn ohne Berufslehre (L-GAV Art. 10). Während einer Einführungszeit darf dieser Lohn um höchstens 8 Prozent tiefer sein, wenn das schriftlich vereinbart ist. Ob und wie andere GAV Praktika regeln, ist von Vertrag zu Vertrag verschieden. Das SECO führt eine Liste der allgemeinverbindlichen GAV, also jener, die für alle Betriebe einer Branche gelten.
Wie viel verdient man in einem Praktikum?
Eine amtliche Statistik zu Praktikumslöhnen gibt es nicht. Gemessen an allen Erwerbstätigen sind Praktika selten: 2023 machten laut BFS weniger als ein Prozent von ihnen ein bezahltes Praktikum. Verlässliche Anhaltspunkte liefern Arbeitgeber und Verbände, die ihre Ansätze offenlegen. Der Bund zeigt beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), was er unter fairer Entlöhnung versteht:

«1/12» heisst zwölf Monatslöhne, also 34’500 Franken im Jahr während des Bachelors, 48’240 nach dem Bachelor und 54’000 nach dem Master. Der Kaufmännische Verband empfiehlt in seinem Merkblatt zu Praktikaformen diese Mindestlöhne, jeweils 13-mal im Jahr:
| Praktikum | Pro Monat | Pro Jahr (×13) |
|---|---|---|
| Nach dem Gymnasium | 2’100 Fr. | 27’300 Fr. |
| Im 1. Bachelorjahr | 2’100 Fr. | 27’300 Fr. |
| Im 2. Bachelorjahr | 2’400 Fr. | 31’200 Fr. |
| Im 3. Bachelorjahr | 2’700 Fr. | 35’100 Fr. |
| Mit Bachelorabschluss | 3’400 Fr. | 44’200 Fr. |
| Mit Master, etwa als Traineeship | 4’000 Fr. | 52’000 Fr. |
Für einen Branchenwechsel nach der Lehre empfiehlt der Verband höchstens sechs Monate Praktikum, mit mindestens 2’100 Franken in den ersten drei und 2’700 Franken in den nächsten drei Monaten.
Neben den Mindestlöhnen zeigt sich, warum die Ausnahmen so wichtig sind. Der Genfer Mindestlohn ergibt bei 40 Stunden 51’147 Franken im Jahr. Ein Praktikum mit Bachelorabschluss nach der Empfehlung des Verbands läge mit 44’200 Franken klar darunter, und in Genf ist das nur zulässig, wenn es unter die Ausnahme für Ausbildungspraktika fällt. Das SECO-Praktikum nach dem Master liegt dagegen darüber.
Wie lange darf ein Praktikum dauern?
Das Obligationenrecht setzt keine Höchstdauer. Ein Praktikum ist ein befristeter Vertrag und endet am vereinbarten Tag von selbst, ohne Kündigung (Art. 334). Arbeitest du nach diesem Tag stillschweigend weiter, wird daraus ein unbefristeter Arbeitsvertrag mit normalen Kündigungsfristen.
Grenzen setzen andere Regeln: die Mindestlohngesetze oben, mit sechs Monaten in Basel-Stadt und Luzern und nach dem Abschluss in Neuenburg sowie dem ersten Jahr nach dem Abschluss im Tessin, und die Arbeitgeber selbst, beim SECO sechs Monate während des Bachelors und zwölf danach. Am längsten dauern Praktika im Recht. Für die Zulassung zur Anwaltsprüfung werden laut BFS meist drei Praktika bei Kanzlei, Gericht oder Verwaltung von zusammen 18 Monaten verlangt. Entsprechend machten 61 Prozent der Master in Rechtswissenschaften nach dem Studium Praktika von insgesamt mehr als zwölf Monaten.
Für junge Berufsleute aus dem Ausland gibt es eine eigene Obergrenze. Wer aus einem der 15 Länder mit einem Stagiaires-Abkommen kommt, darunter die USA, Kanada, Japan und Australien, kann bis zu 18 Monate in der Schweiz arbeiten, mit mindestens einem Bachelor oder einer zweijährigen Berufslehre (SEM). Der Lohn muss orts- und branchenüblich sein, mindestens auf dem Niveau von Berufseinsteigern, und Teilzeit ist nicht erlaubt.
Ferien, Krankheit und ein früheres Ende
Als Praktikantin oder Praktikant hast du dieselben Grundrechte wie alle Angestellten. Bei den Ferien sind das mindestens vier Wochen pro Jahr, bis zum vollendeten 20. Altersjahr fünf, bei einem kürzeren Arbeitsverhältnis anteilig (Art. 329a). Bei einem Praktikum von sechs Monaten mit 22 Jahren sind das zwei Wochen, bei einer Fünftagewoche also zehn Arbeitstage. Mit 19 wären es zweieinhalb Wochen.
Wirst du krank, muss der Betrieb den Lohn weiterzahlen, wenn das Arbeitsverhältnis länger als drei Monate gedauert hat oder für mehr als drei Monate abgeschlossen wurde, im ersten Dienstjahr für drei Wochen (Art. 324a). Bei einem Praktikum von sechs Monaten gilt das ab dem ersten Tag, bei einem von genau drei Monaten nie. Eine Krankentaggeldversicherung des Betriebs kann diese Regel ersetzen, wenn sie schriftlich vereinbart und für dich mindestens gleichwertig ist.
Vorzeitig enden kann ein befristetes Praktikum fristlos aus wichtigem Grund, wenn also die Fortsetzung nicht mehr zumutbar ist (Art. 337). Sonst geht es nach der gängigen Lehre, die etwa der Fachverlag WEKA wiedergibt, nur im gegenseitigen Einverständnis oder wenn der Vertrag eine Kündigung erlaubt. Umstritten ist die Probezeit: WEKA sagt, ohne Abrede gebe es bei einem befristeten Vertrag keine, SRF Kassensturz nennt den ersten Monat. Klar ist: Steht eine Probezeit im Vertrag, kann jede Seite in dieser Zeit mit sieben Tagen Frist kündigen, wenn schriftlich nichts anderes vereinbart ist, und länger als drei Monate darf sie nicht sein (Art. 335b).
Zwei Dinge muss der Betrieb dir ausserdem schriftlich geben. Dauert dein Praktikum länger als einen Monat, musst du spätestens einen Monat nach Beginn schriftlich erfahren, wer die Vertragsparteien sind, wann du angefangen hast, welche Funktion du hast, wie hoch der Lohn ist und wie viele Stunden du pro Woche arbeitest (Art. 330b). Und du kannst jederzeit ein Arbeitszeugnis verlangen, auch schon während des Praktikums (Art. 330a). Was auf der Lohnabrechnung abgezogen wird, ist die nächste Frage.
Versicherungen: was vom Praktikumslohn abgeht
Auch vom Praktikumslohn gehen Sozialbeiträge ab. Für AHV, IV und EO zahlst du 2026 5,3 Prozent, für die Arbeitslosenversicherung 1,1 Prozent, und der Betrieb zahlt gleich viel dazu (Beitragstabelle des Bundes). Die Pflicht beginnt am 1. Januar nach deinem 17. Geburtstag. Verdienst du bei einem Arbeitgeber höchstens 2’500 Franken im Kalenderjahr, werden die Beiträge nur erhoben, wenn du es verlangst (Merkblatt 2.01).
Gegen Unfälle sind Praktikantinnen, Praktikanten und Volontäre ausdrücklich obligatorisch versichert (UVG Art. 1a). Das gilt auch bei einem unbezahlten Praktikum, für den Unfallschutz muss dann trotzdem der Betrieb sorgen, wie SRF Kassensturz betont. Die Prämie für Berufsunfälle zahlt der Betrieb. Arbeitest du mindestens acht Stunden pro Woche beim selben Betrieb, bist du auch gegen Unfälle in der Freizeit versichert (UVV Art. 13), diese Prämie trägst in der Regel du.
Bei der Pensionskasse entscheidet die Dauer. Arbeitsverträge von höchstens drei Monaten sind von der obligatorischen beruflichen Vorsorge ausgenommen (BVV 2 Art. 1j). Dauert dein Praktikum länger, bist du versichert, wenn dein Lohn aufs Jahr hochgerechnet mehr als 22’680 Franken beträgt (BVG Art. 2, BSV-Kennzahlen). Bei zwölf Monatslöhnen liegt die Grenze bei 1’890 Franken im Monat. Ein Hotelfachschul-Praktikum nach L-GAV mit 2’390 Franken über sechs Monate liegt also darüber. Fürs Alter sparst du aber erst ab dem 1. Januar nach deinem 24. Geburtstag, vorher deckt die Kasse nur Tod und Invalidität. Wird ein Vertrag über drei Monate hinaus verlängert, bist du ab dem Tag versichert, an dem die Verlängerung vereinbart wurde.
Bevor du unterschreibst
Fast alles in diesem Artikel entscheidet sich vor dem ersten Arbeitstag: am Arbeitsort, an der Dauer und daran, ob das Praktikum wirklich ausbildet. Verlange deshalb einen schriftlichen Vertrag, bevor du zusagst. Eine kurze Nachricht genügt:
Guten Tag, vielen Dank für das Angebot. Bevor ich unterschreibe, bitte ich um den schriftlichen Vertrag mit Start- und Enddatum, Bruttolohn pro Monat und Anzahl Monatslöhne, Wochenstunden, Ferientagen, Lernzielen und dem Namen meiner Betreuungsperson. Gilt für die Stelle ein Gesamtarbeitsvertrag? Freundliche Grüsse
Damit kannst du jedes Angebot in ein paar Minuten einordnen: Rechne den Jahreslohn aus, leg ihn neben die Ansätze von SECO und Kaufmännischem Verband und prüf in der Übersicht oben, ob an deinem Arbeitsort ein Mindestlohn gilt. Liegt ein Angebot darunter, hast du jetzt die Quellen, um nachzufragen. Offene Praktika findest du bei uns nach Ort, etwa in Bern, Lausanne, im Kanton Aargau oder im Kanton St. Gallen.
Häufige Fragen
- Kann ich nach dem Praktikum noch Lohn nachfordern?
- Ja. Forderungen aus einem Arbeitsverhältnis verjähren erst nach fünf Jahren, du kannst also auch nach dem Ende noch Lohn verlangen. Im Fall 4A_150/2023 hat das Bundesgericht aber berücksichtigt, dass die Praktikantin während des ganzen Praktikums nie Lohn verlangt hatte. Sprich das Thema deshalb früh und schriftlich an.
- Habe ich im Praktikum Anspruch auf einen 13. Monatslohn?
- Nur wenn dein Vertrag oder ein Gesamtarbeitsvertrag ihn vorsieht, das Gesetz schreibt ihn nicht vor. Der Kaufmännische Verband empfiehlt seine Praktikumslöhne mal 13, das SECO zahlt seine Hochschulpraktika zwölfmal. Vergleiche Angebote deshalb immer über den Jahreslohn.
- Gelten diese Regeln auch für ein Praktikum in Teilzeit?
- Ja. Du hast gleich viele Ferienwochen wie bei Vollzeit. Arbeitest du weniger Tage pro Woche, sind es entsprechend weniger Ferientage. Ein kantonaler Mindestlohn gilt pro Stunde. Gegen Unfälle in der Freizeit bist du über den Betrieb aber erst versichert, wenn du dort mindestens acht Stunden pro Woche arbeitest.
- Was passiert, wenn ich nach dem Enddatum einfach weiterarbeite?
- Dann wird aus dem befristeten Praktikum ein unbefristeter Arbeitsvertrag mit normalen Kündigungsfristen. In Basel-Stadt und der Stadt Luzern endet zudem die Ausnahme vom Mindestlohn nach sechs Monaten, wenn keine der Bedingungen für eine Verlängerung erfüllt ist. Halte eine Verlängerung deshalb immer schriftlich fest.